Zwischen Erpresserbrief und Einkaufszettel

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Beraten

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! Im letzten Blogbeitrag haben wir Ihnen das Tätigkeitsfeld „Beraten“ vorgestellt. Heute zeigen wir Ihnen ein angewandt-linguistisches Projekt aus diesem Tätigkeitsfeld. Viel Spaß!

Solche Erpresserbriefe kennen wir vor allem aus Filmen und Fernsehserien. Im echten Leben finden wir hoffentlich niemals einen im Briefkasten – wenn das aber doch passiert, dann wollen wir natürlich sofort wissen, wer ihn verfasst hat und wie ernst man die Drohungen nehmen muss. Deshalb braucht die Kriminalpolizei Expertinnen und Experten, die wissen, was so ein Brief über den Täter oder die Täterin verraten kann. Eine solche Expertin ist zum Beispiel Dr. Eilika Fobbe. Sie berät als Angewandte Linguistin die Ermittlerinnen und Ermittler beim Bundeskriminalamt (BKA).

Angewandte Linguistinnen und Linguisten beim BKA?

Ja, wirklich! Täterinnen und Täter verraten sich nicht nur über DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die sie am Tatort zurücklassen. Auch die Art und Weise, wie sie sprechen oder schreiben, kann für die Polizei ein Hinweis sein, wer als Täterin oder Täter in Frage kommt. Im BKA arbeiten daher Angewandte Linguistinnen und Linguisten in den Abteilungen Handschriftenerkennung, Sprechererkennung und Autorenerkennung.

Will die Polizei ermitteln, wer den oben gezeigten Erpresserbrief verfasst hat, wird die Abteilung Autorenerkennung aktiv. Expertinnen und Experten wie Eilika Fobbe können auch aus sehr kurzen Texten wichtige Rückschlüsse auf den Urheber ziehen: Handelt es sich um eine/n oder mehrere Autorinnen oder Autoren, also um eine singuläre oder eine multiple/kollektive Autorschaft? Erkennt man muttersprachliche Sprachkompetenz? Welchen Bildungsstand hat der Autor bzw. die Autorin? Wie baut die Autorin bzw. der Autor seinen Text auf, wo liegt der Fokus der Mitteilung und wo der gedankliche Fokus der Autorin bzw. des Autors?

Forensische Textanalyse

Vielleicht habt ihr ja auch schon mal vom sogenannten „sprachlichen Fingerabdruck“ gehört, also von der Idee, dass der Sprachgebrauch eines jeden Menschen einzigartig sei und man daher einen Tatverdächtigen auf der Basis seiner Texte überführen könne. Eilika Fobbe und ihr Team wissen, dass es einen solchen „sprachlichen Fingerabdruck“ nicht gibt. Das wurde durch die sprachwissenschaftliche Forschung mehrfach bewiesen. In ihrem wissenschaftlichen Einführungsbuch in die forensische Linguistik stellt Eilika Fobbe klar:

Forensische Linguistinnen und Linguisten sammeln also Hinweise auf die Täterin bzw. den Täter, können ihn aber nicht allein auf der Grundlage linguistischer Analysen überführen.

Hinweise auf den Täter bzw. die Täterin gewinnen sie zum Beispiel aus dem Vergleich mit anderen, von den Tatverdächtigen verfassten Texten – und seien es nur Einkaufszettel. Wenn dort Epfel anstatt Äpfel auf der Liste stehen– also wie im Erpresserbrief <ä> und <e> vertauscht werden – dann wäre dieser übereinstimmende Fehler ein Indiz dafür, dass beide Texte aus der Feder derselben Person stammen. Natürlich muss damit gerechnet werden, dass Fehler absichtlich, als Teil einer Verstellungsstrategie, in den Text eingestreut werden. Im oben gezeigten Beispiel sieht man, dass zwar viele Orthographiefehler vorhanden sind, jedoch kaum Satzbaufehler. Dies könnte darauf schließen lassen, dass eine ausländische Herkunft nur vorgetäuscht wird.  

Eine forensische Textanalyse nimmt aber nicht nur Fehler in den Blick, sondern auch den Stil und die Textstruktur. Bei der Stilanalyse werden zum Beispiel Wortwiederholungen, auffällige Wortbildungen, Interpunktionsvorlieben usw. untersucht. Die Verwendung bestimmter Wörter und Formulierungen kann beispielsweise Rückschlüsse auf das Alter oder den Bildungsstand der Autorin bzw. des Autors zulassen.

Individuelle und textsortenspezifische Auffälligkeiten werden bei der Textstrukturanalyse gegeneinander abgewogen. Die Formulierung „keine Polizei, keine Tricks“ beispielsweise hat eine sehr geringe Aussagekraft über den Täter oder die Täterin, da sprachwissenschaftliche Untersuchungen der Textsorte Erpresserbrief bereits zeigen konnten, dass sie in fast allen Erpresserbriefen so oder so ähnlich enthalten ist.

Angewandt-linguistische Expertise im Gerichtsverfahren

Die Ergebnisse ihrer umfassenden Analysen halten die Angewandten Linguistinnen und Linguisten dann in Gutachten fest. Jedes linguistische Gutachten muss dabei die allgemeinen wissenschaftlichen Standards erfüllen – dazu gehört zum Beispiel, dass die verwendeten Analysemethoden beschrieben werden. Diese Gutachten werden entweder für die kriminalpolizeiliche Arbeit genutzt, also um Tatverdächtige zu ermitteln, oder sie werden vor Gericht eingesetzt, um die Schuld des/der Angeklagten mit zu beweisen. Eilika Fobbe betont dabei jedoch:

Angewandte Linguistinnen und Linguisten können auch als Expertinnen und Experten vom Gericht eingeladen werden. Als Sachverständige erklären sie dann, wie das sprachliche Beweismaterial zu verstehen ist, wie die sprachlichen Daten ausgewertet wurden und wie Linguistik als wissenschaftliche Disziplin arbeitet.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten auf Verbrecherjagd!

Jeder Text verrät viel über seine Verfasserin oder seinen Verfasser – und die angewandten Linguistinnen und Linguisten wissen, wonach sie suchen müssen! Auf der Basis ihrer linguistischen Expertise können sie alle beteiligten Institutionen von Polizei bis Justiz beraten. Wollt ihr mehr erfahren? Schaut doch mal in Eilika Fobbes Einführung in die Forensische Linguistik!

Der Autor:

Simon Panneke-Reelfs – mit Rat und Tat unterstützt von Viktorija Blazheska und Ann-Katrin Hüsing!

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Von Spontanvegetation und Dreiseitenkippern

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Beraten

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! Dazu geben wir Antworten auf die Frage: Was machen Angewandte Linguistinnen und Linguisten eigentlich?

Angewandte Linguistinnen und Linguisten beraten. Das bedeutet, dass sie dabei helfen, sprachliche Probleme im Alltag, in der Wirtschaft oder auch in der Politik zu lösen. Oder wüssten Sie, was gemeint ist, wenn Spontanvegetation mithilfe eines Dreiseitenkippers transportiert wird?

Wer wird beraten?

Grundsätzlich kann natürlich jeder linguistische Beratung erbitten, der im Hinblick auf die korrekte Verwendung von Sprache oder die Gestaltung von Kommunikation Unsicherheiten verspürt. Dies kann die korrekte Verwendung von Fachausdrücken betreffen, die Anfertigung von Übersetzungen, die Kommasetzung (Wer kennt es nicht?) und, und, und. Die Angewandten Linguistinnen und Linguisten müssen auf Wissen aus den verschiedensten Teilbereichen der Sprachwissenschaft zurückgreifen – von der Stilistik und Textlinguistik über die Übersetzungs- und Dolmetscherwissenschaft bis hin zur Schreibwissenschaft. Viele dieser Bereiche sind ebenfalls Sektionen der Gesellschaft für Angewandte Linguistik e. V.!

Linguistische Beratung erfolgt auf Augenhöhe. Angewandte Linguistinnen und Linguisten sind Experten für die kommunikationsbezogenen oder sprachlichen Aspekte eines Problems, während die Beratung suchenden Personen, Unternehmen oder Institutionen natürlich Experten für die inhaltlichen Aspekte und Kontexte des Problems sind.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten beraten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Die Angewandte Linguistin Dr. Karin Baya macht es vor: Als Unternehmensberaterin unterstützt sie Unternehmen auf der Basis ihrer linguistischen Expertise bei der Öffentlichkeits- und Medienarbeit. Bei der #galwue21 wird sie bei der Podiumsdiskussion „Angewandte Linguistik innerhalb und außerhalb der Hochschulen“ von ihren Erfahrungen berichten!

Behörden, Unternehmen und politische Institutionen nutzen Beratungsangebote der Angewandten Sprachwissenschaft, um ihre Kommunikation zu verbessern. Sie erhoffen sich Unterstützung im Hinblick auf die interne Kommunikation, aber auch bei der Kommunikation nach außen, beispielsweise bei Reden oder im Marketing. Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. hat sogar einen Redaktionsstab im Bundestag, wo Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler zum Beispiel bei der sprachlichen Prüfung von Gesetzestexten oder der Übersetzung von Texten in Leichte Sprache helfen, sprachbezogene Fragen von Politikerinnen und Politikern beantworten und Seminare zu sprachlichen Themen anbieten.

Und sogar zur Verbrechensbekämpfung wird die Angewandte Linguistik zu Rate gezogen! Klingt im ersten Moment verrückt – doch Linguistinnen und Linguisten können in Texten Muster und Auffälligkeiten erkennen, die bei Ermittlungen hilfreich sein können. Mehr zu diesem Thema können Sie im nächsten Blogbeitrag lesen!

Wie läuft eine solche Beratung ab?

Angewandte Linguisten und Linguistinnen fragen zunächst: Wo genau gibt es Schwierigkeiten bei der Sprachverwendung? Durch eine Analyse der Ausgangssituation wird zunächst herausgearbeitet, in welcher sprachwissenschaftlichen Kategorie Unsicherheiten herrschen, wie zum Beispiel in der Verwendung von Substantiven oder dem Satzbau. Dies bezieht sich vor allem auf die eigenen Texte, bei denen man Hilfe benötigt. Anschließend werden Lösungsvorschläge präsentiert, die eine Möglichkeit darstellen, wie das Problem bewältigt werden kann. Der oder die Beratene muss die Vorschläge aber natürlich nicht zwingend annehmen, sondern sie in dem Maße umsetzen, wie sie ihm sinnvoll und zielführend erscheinen.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten beraten Privatpersonen

Auch bei privaten Fragen rund um die Sprachverwendung kann man sich natürlich an Angewandte Linguisten und Linguistinnen wenden. Dabei muss es nicht nur um die großen sprachlichen Probleme gehen – manchmal ist es ein simples Komma, mit dem man sich ewig herumärgert.

In solchen Fällen kann man sich beispielsweise telefonisch bei der Duden-Sprachberatung Hilfe holen. Die dort arbeitenden Linguistinnen und Linguisten können eine fachlich fundierte Antwort auf verschiedene Fragestellungen geben. Was sie nicht wissen, schlagen sie in sprachwissenschaftlichen Nachschlagewerken und Datenbanken nach – so helfen sie beispielsweise dabei, die Bedeutung von Fachbegriffen zu entschlüsseln, bei denen man auch nicht unbedingt weiß, wo man diese selbst nachschlagen kann oder sich unsicher in Bezug auf ihre Bedeutung ist. Auch die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. und andere Institutionen bieten Sprachberatungstelefone an.

Angenommen, Ihr Nachbar beschwert sich bei Ihnen über Ihre Spontanvegetation im Garten, können Sie also bei der Sprachberatung nachfragen, was genau in Ihrem Garten vegetiert. Es ist übrigens Unkraut, dass Sie mithilfe eines Dreiseitenkippers – also: einem Anhänger – zur nächstgelegenen Grünschnittdeponie bringen können.

Das Tätigkeitsfeld Beraten in der Angewandten Linguistik

Im gesellschaftlichen Zusammenleben ist Kommunikation die Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben. Da ein Mensch bekanntlich nicht nicht kommunizieren kann, sollte diese also so reibungslos wie möglich ablaufen. Die Angewandte Linguistik kann hier beratend zur Seite stehen und Hilfestellungen bieten, wann immer Schwierigkeiten auftreten.

Die Autorin:

Ann-Katrin Hüsing – studiert Gymnasiallehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch. Sie ist Hiwi in der deutschen Sprachwissenschaft und findet Sprachen so interessant, dass sie einfach gleich zwei studiert.

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Empathie – Interaktion – Medizin – und was hat das jetzt mit Linguistik zu tun?

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Aufklären

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! Im letzten Blogbeitrag haben wir Ihnen das Tätigkeitsfeld „Aufklären“ vorgestellt. Heute zeigen wir Ihnen ein angewandt-linguistisches Projekt aus diesem Tätigkeitsfeld. Viel Spaß!

Sie sitzen im Behandlungsraum einer Arztpraxis und haben möglicherweise mit Beschwerden oder einer Diagnose zu kämpfen. Welches Verhalten würden Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin wünschen? Sicher keine medizinisch korrekte, aber gefühlslose „Abfertigung“, sondern ein verständnisvolles Gespräch, bei dem Ihr Arzt oder Ihre Ärztin es schafft, die richtige Balance zwischen Professionalität und Empathie zu bewahren. 

Studien aus verschiedenen Fachbereichen wie zum Beispiel der Medizinpsychologie bestätigen diesen Eindruck: Empathie ist ein zentrales Element medizinischer Versorgungsqualität. Allerdings weiß man bislang nur wenig darüber, wie Empathie in medizinischen Beratungsgesprächen sprachlich ausgedrückt wird und ob sich das von Empathiebekundungen in anderen Gesprächskontexten unterscheidet.

Nathalie Bauer will das ändern. Sie promoviert über die Frage, wie in medizinischen Interaktionen, genauer in Gesprächen zwischen Patientinnen und Patienten und Ärztinnen und Ärzten, Empathie sprachlich ausgedrückt wird und im Gespräch ausgehandelt wird. Ihr wurde dafür der Förderpreis 2020 der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) e. V. verliehen. „Damit werden Projekte unterstützt, die wissenschaftliche Qualität und Anwendungsbezug in hervorragender Weise vereinen“, erklärt GAL-Präsident Prof. Dr. Markus Bieswanger im Video der Preisverleihung.

Über Fragestellungen, Aufbau, Ergebnisse und Anwendungsbezug des Projekts könnte uns niemand besser Auskunft geben als Nathalie Bauer selbst. Sie hat sich freundlicherweise bereiterklärt, uns unsere Fragen zu ihrem Projekt „Empathie in medizinischen Interaktionen – eine gesprächsanalytische Untersuchung“ in einem Interview zu beantworten. Vielen Dank! 

Empathie Interaktion Onkologie

Das sind die drei Schlagwörter, mit denen Nathalie Bauer ihr Projekt zusammenfassen würde. Insgesamt 56 Aufklärungs- oder Beratungsgespräche mit Onkologiepatienten und -patientinnen bilden die Grundlage ihrer Forschungsarbeit.Diese wurden im Rahmen eines Projekts der deutschen Krebshilfe in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten aufgezeichnet. In den Gesprächen haben die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die Aufgabe, auf der Grundlage bereits erfolgter Untersuchungen die Diagnose und das weitere Therapieverfahren zu erläutern. Die Patientinnen und Patienten werden hierbei zum ersten Mal mit der Diagnose „Krebs“ konfrontiert. Eine schwierige Situation für beide Parteien! Wir haben Nathalie Bauer gefragt: Was sind denn typische Probleme bei der Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten?

„Das sind zunächst einmal Verständnisprobleme. Die medizinische Diagnose muss gewissermaßen in die Lebenswelt der Patientinnen und Patienten übersetzt werden. Außerdem ist oft ein Problem, dass die Betroffenen erst einmal vollkommen überfordert sind mit der Diagnose „Krebs“ und die Ärztinnen und Ärzte sich mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert sehen, ihnen mögliche Interpretationsangebote zu machen und sie zurück ins Gespräch zu ‚holen‘.“

Aber auch die asymmetrische Beziehung zwischen den Gesprächsbeteiligten kann ein Problem darstellen:

„Der Arzt oder die Ärztin sind normalerweise diejenigen, die das Gespräch strukturieren und lenken. Die Patientinnen und Patienten könnten sich dadurch verunsichert fühlen: Wann darf ich sprechen? Ist das ok, wenn ich das so sage? Das wirklich Interessante bei der Untersuchung zur Empathie ist allerdings, dass eigentlich der Patient bzw. die Patientin den primären Wissenszugang zu seinem emotionalen Erleben hat und nicht wie üblich das medizinische Personal. Die wissen schließlich am besten, wie es ihnen gerade geht!“

Es handelt sich also um eine ganz spezielle und sehr komplexe Gesprächssituation. Wie können Ärztinnen und Ärzte von dieser Erkenntnis profitieren?

Hilfreiche Ratschläge für den Einsatz von Empathie in der Arzt-Patienten-Kommunikation

„Obwohl in Arzt-Patienten-Gesprächen teilweise ähnliche Strukturen zu erkennen sind wie in Alltagsgesprächen, treten Empathieanzeigen hier doch nochmal in anderer Form auf, erklärt Nathalie Bauer. „Ob sie als angemessen behandelt werden oder nicht, hängt tatsächlich auch sehr stark vom Kontext ab – je nachdem, wer gerade am Gespräch teilnimmt oder zu welchem Zeitpunkt im Gespräch sie geäußert werden.“

Es gilt also zunächst, die verschiedenen Arten, mittels Sprache und Sprechverhalten Empathie auszudrücken, aus linguistischer Sicht zu analysieren und zu klassifizieren. Anschließend können daraus Anwendungsbezüge abgeleitet werden, die Medizinerinnen und Medizinern helfen, ihre Gesprächsführung zu reflektieren. Nathalie Bauer betont:

„Für die Gesprächsführung ist es vor allem wichtig, sich mit dem Funktionieren von Gesprächen und deren grundlegenden Strukturen zu beschäftigen. Im medizinischen Bereich werden Gespräche häufig allein aus der Perspektive des medizinischen Personals gedacht. Zu einem Gespräch gehören aber immer zwei, es handelt sich um eine Interaktion.“

Darüber können Ärztinnen und Ärzte aus angewandt-linguistischer Perspektive aufgeklärt werden. Die erste überraschende Erkenntnis:

Es gibt kein Patentrezept!

Medizinstudierende lernen häufig, sie sollten eine bestimmte Schrittabfolge einhalten, damit das Gespräch gelingt. Die erhobenen Daten zeigen aber: Es gibt kein Patentrezept für die Anzeige von Empathie in medizinischen Gesprächen. Obwohl das jetzt vielleicht ernüchternd ist, wirkt das auch in vielerlei Hinsicht entlastend auf das medizinische Personal. Empathie ist situationsabhängig! Eine Ärztin versucht beispielsweise dadurch Empathie auszudrücken, dass sie von ihren eigenen Brustkrebserfahrungen berichtet. Diese Strategie wurde in mehreren Gesprächen mit verschiedenen Patientinnen beobachtet. Man sieht: Die Betroffenen reagieren ganz unterschiedlich darauf. Manche blocken sofort ab, andere fragen interessiert nach oder kommen zu einem späteren Zeitpunkt des Gesprächs darauf zurück. Das möglichst schnell und gut erkennen zu können, kann für Ärztinnen und Ärzte sehr hilfreich sein.“

Das überrascht auch uns! Eine Schritt-für-Schritt-Gesprächsanleitung kann auch die Angewandte Linguistik also nicht bieten. Wie kann man Medizinerinnen und Medizinern trotzdem zu einer besseren Kommunikation mit ihren Patientinnen und Patienten verhelfen?

Man muss verstehen, nach welchen Mechanismen solche Gespräche funktionieren“,betont Nathalie Bauer. „Ein wichtiges Element dabei ist, Ärztinnen und Ärzten zu ermöglichen, das eigene Kommunikationsverhalten zu reflektieren. Das klappt besonders gut, wenn man sich mit authentischen Gesprächen beschäftigt, in denen man dann kommunikative Strukturen erkennen kann. “  

Vom Medizin- zum Gesprächsprofi

Ärztinnen und Ärzte müssen also eigentlich nicht nur Medizin-, sondern auch Gesprächsprofis sein. Dazu klären Angewandte Linguistinnen und Linguisten wie Nathalie Bauer über Funktionsweisen und Wirkmechanismen von Empathie in Gesprächen auf.

Wir haben bereits einen Workshop an der Universität Karlsruhe für junge Medizinerinnen und Mediziner veranstaltet. Die Teilnehmenden bekommen dabei kein Erfolgsrezept in Form einer „Anleitung“ an die Hand. Stattdessen untersuchen sie die aufgezeichneten Gespräche selbst. Wir stellen das dazu notwendige linguistische Wissen und verschiedene Analysemethoden bereit. Dadurch, dass die Teilnehmenden die Gespräche durch die linguistische anstatt durch die medizinische „Brille“ betrachten, werden sie für Empathieanzeigen und unterschiedliche Reaktionen darauf in ihrem jeweiligen Kontext sensibilisiert. Wir haben zu dem Workshop viel positive Resonanz erhalten. Meine linguistische Expertise dort einbringen zu können, hat mich im Projekt und auch persönlich sehr weitergebracht.“

Aufklärung zum Real World Problem als Schritt hin zu einer Real World Solution

Auf die Frage hin, ob sie sich als Angewandte Linguistin verstehen würde, antwortete Nathalie Bauer ohne zu zögern: Auf jeden Fall!“

Sie erklärt:Empathie angemessen zu zeigen ist ein wirkliches Real-World Problem der medizinischen Fachwelt. Gesprächslinguistische Forschungsergebnisse sind ein wichtiges Puzzlestück, um die bestmögliche Arzt-Patienten-Kommunikation zu ermöglichen. Zu verstehen, wie Empathie in medizinischen Gesprächen funktioniert, kann den Berufsalltag von Ärztinnen und Ärzten erleichtern und so hoffentlich das Erleben für die Patientinnen und Patienten verbessern.“

Wir freuen uns gemeinsam mit den Ärztinnen, Ärzten, Patientinnen und Patienten auf die Publikation von Frau Bauers Forschungsergebnissen. Schließlich ist das Dissertationsprojekt nicht nur für die Linguistik eine Bereicherung!

Vielen Dank für diesen spannenden Einblick!

Die Autorinnen:

Franziska Schulte – studiert Gymnasiallehramt mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Sozialkunde und hat sich so irgendwie als Hiwi in die deutsche Sprachwissenschaft verirrt! Aber das ist nicht so schlimm!

Magdalena Belz – BA-Studentin und ebenfalls Hiwi in der deutschen Sprachwissenschaft. Beantwortet die Frage „Und was kann man mit einem Germanistikstudium beruflich machen?“ gern mit einem Verweis auf die Angewandte Linguistik!

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Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler als Spürnasen sprachbezogener Probleme

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Aufklären

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! Dazu geben wir Antworten auf die Frage: Was machen Angewandte Linguistinnen und Linguisten eigentlich?

Wie kaum zuvor wird heute in gesellschaftlichen und politischen Debatten über die Angemessenheit beziehungsweise Unangemessenheit der deutschen Sprache diskutiert. Gerade die Diskussion darum, inwiefern die deutsche Sprache ‚gendergerecht‘ sei, erlebt aktuell eine Blütezeit. Bereits die verwendete Form einer Anrede stößt auf breite Diskussionsbereitschaft: Ist es überhaupt noch vertretbar, beispielsweise ausschließlich von Zuhörern zu sprechen, wenn das Publikum sehr wohl auch aus Frauen oder Personen mit nicht-binären Geschlechtsidentitäten besteht?  Sollte man womöglich lieber von Zuhörerinnen und Zuhörern sprechen? Und wie schreibt man das? ZuhörerInnen? Zuhörer*innen? Zuhörer:innen? Oder vielleicht doch lieber ganz anders formulieren: Zuhörende?

Auch die fachsprachliche Komplexität der deutschen Sprache wird häufig kritisiert. Gerade im Hinblick auf Corona-Regelungen und -Verordnungen häufen sich die Beschwerden über das unverständliche „Beamten- und Juristendeutsch“. Wo es doch eigentlich von besonderer Wichtigkeit ist, dass die Bürgerinnen und Bürger sich über aktuelle politische Maßnahmen und Verordnungen gut informieren können, scheitern immer wieder viele Menschen daran, die tatsächliche Sach- und Informationslage aus den sprachlich komplexen Aussagen der Politik, Verwaltung und Presse zu entschlüsseln.

Wie kann die Angewandte Linguistik hier helfen?

Angewandte Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler verfolgen solche gesellschaftlichen Debatten mit besonderem Interesse und versuchen, die Hintergründe sprachbezogener Probleme besser nachzuvollziehen. Denn: Nur durch ein fachlich untermauertes und wertungsfreies Aufklären über die Problemursachen kann es zu einer produktiven Lösung kommen.

Welche sprachlichen Möglichkeiten gibt es also, Menschen mit unterschiedlichen biologischen (oder auch sozialen) Geschlechtern zu adressieren? Wie werden diese Möglichkeiten genutzt, wie werden sie aufgenommen? Welche Schwierigkeiten können hierbei möglicherweise auftreten?

Und: Welche sprachlichen Merkmale zeigen Texte, die von Leserinnen und Lesern als zu kompliziert empfunden werden? Sind es vielleicht einzelne Fachwörter, komplizierte Wortzusammensetzungen oder doch die berühmt-berüchtigten langen Schachtelsätze? Wie kann die Textrezeption erleichtert und das Verständnis verbessert werden?

All dies sind Fragen, mit denen sich die Angewandte Linguistik beschäftigt.

Wo ist sprachwissenschaftliche Aufklärungsarbeit gefragt?

Angewandte Linguistinnen und Linguisten sind in ihrer Aufklärungstätigkeit quasi die Spürnasen für die sprachliche Seite gesellschaftlicher Kontroversen und Probleme. Egal, ob sie sich in bereits bestehenden Diskussionsfeldern wie dem der sprachlichen Sichtbarmachung zu Wort melden oder aber auch auf sprachliche Problemfelder aufmerksam machen, welche zuvor noch gar nicht als öffentliche Debatten diskutiert worden sind: Aus eigener Initiative heraus versuchen sie, die sprachlichen Problemfaktoren klar zu benennen und so ein tiefergehendes Verständnis des sprachlichen oder sprachbezogenen Problems zu befördern.

Damit trägt die sprachwissenschaftliche Aufklärungsarbeit zur Problemlösung sprachbezogener Probleme bei und fördert aber auch gleichzeitig ein generelles, sprachkritisches Bewusstsein, das im Idealfall schon die Entstehung so mancher Probleme verhindern kann.

Wie genau sorgen Angewandte Linguistinnen und Linguisten für solch ein „sprachkritisches Bewusstsein“?

Konkret kann dies zum Beispiel durch eine linguistische Aufarbeitung der Ursprünge des Problems erfolgen. Beim Thema Gendern wären zunächst beispielsweise das Verhältnis einer Versprachlichung von grammatischem Geschlecht (= Genus) und natürlichem Geschlecht (= Sexus) zu erörtern. Weiterhin können gängige Sprachgebrauchsmuster in ihrer Rezeption und Bewertung analysiert werden, um zu erkennen, was und warum etwas eigentlich tatsächlich als ‚ungerecht‘ beurteilt wird.

In Bezug auf die Verbesserung der Verständlichkeit öffentlicher Kommunikation sind Untersuchungen dazu, was genau einen Text kompliziert und unverständlich macht, sinnvoll. Erkenntnisse hierzu helfen den Textproduzenten, ihre Texte zu reflektieren und letztlich natürlich auch zu verbessern. 

Die Sprachwissenschaft bringt sich aber nicht nur in bestehende öffentliche Debatten ein, sondern regt auch neue an. Auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) e. V. diskutiert beispielsweise die Sektion Fachkommunikation über die sprachlichen Merkmale von Fake News. Und die Sektion Migrationslinguistik beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Sprache und insbesondere die sog. „Bildungssprache“ für nicht-muttersprachliche Schülerinnen und Schüler in der Schule eine Hürde darstellt. Der GAL-Förderpreis 2020 wurde ebenfalls für eine Arbeit verliehen, die das Ziel hat, mehr sprachwissenschaftliches (Hintergrund-)Wissen über einen Bereich bereitzustellen, der häufig als problematisch empfunden wird: die Kommunikation zwischen Ärztinnen und Ärzten und ihren Patientinnen und Patienten. (Aber dazu mehr in der nächsten Woche!)

Angewandte Linguistinnen und Linguisten klären auf – und das ist gut so!

In unserem Alltag begegnen wir womöglich häufiger durch Sprache verursachten oder mit-verursachten Problemen, als uns bewusst ist. Um zu einer gewinnbringenden Lösung für solche Probleme zu kommen, ist es notwendig, dass sie zunächst als sprachliche oder kommunikative Probleme erfasst, wissenschaftlich beschrieben und analysiert werden. Die Ergebnisse solcher Analysen können dann dazu beitragen, dass Fehl- und Vorurteile beseitigt werden und der Weg für produktive Lösungen freigemacht wird.

Die Autorinnen:

Marina von Dungen – Bachelor-Studentin der Germanistik, die sich tief in die Sprachwissenschaft verliebt hat.

Chrysoula Perathoraki – studiert BA Germanistik und Anglistik an der Universität Würzburg und interessiert sich ebenfalls sehr für Sprachwissenschaft.

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Wenn das Sprechen schwerfällt…

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Diagnostizieren und Therapieren

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! Im letzten Blogbeitrag haben wir Ihnen das Tätigkeitsfeld „Diagnostizieren und Therapieren“ vorgestellt. Heute zeigen wir Ihnen ein angewandt-linguistisches Projekt aus diesem Tätigkeitsfeld. Viel Spaß!

Erinnern Sie sich noch an die kleine Judith aus dem letzten Blogbeitrag? Sie spricht irgendwie anders als andere Kinder ihres Alters – beispielsweise kann sie Konsonanten am Wortanfang nicht aussprechen. Zu ihrer besten Freundin sagt sie Ara anstatt Lara.  Oder sie erzählt von ihrem Onkel Alf und versteht nicht, weshalb die Erwachsenen dann manchmal schmunzeln müssen.

6-8 % Prozent der Kinder eines Jahrgangs weisen eine Sprachentwicklungsstörung auf

Sprachentwicklungsstörungen sind längst kein Einzelfall und damit ein gesellschaftlich relevantes Problem. Versetzen Sie sich in die Lage von Judiths Eltern: Sie bemerken, dass sie nur zögerlich mit der Produktion von Wörtern beginnt und ihren Wortschatz langsamer entwickelt als Gleichaltrige. Der „Wortschatzboom”, der im zweiten Lebensjahr auftreten sollte, bleibt aus. Der Kinderarzt stellt im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung das Risiko einer Sprachentwicklungsstörung fest. Er beruhigt sie dann aber:

Bis zum 24. Monat sind etwa 35% aller Kinder sogenannte Late-Talker (Spät-Sprecher).

Die Hälfte der Kinder schließt die bisherigen Lücken bis zum dritten Lebensjahr. Geschieht dies nicht (und können organische, mentale oder emotionale Schädigungen ausgeschlossen werden), könnte eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen. Ihr Kinderarzt rät Ihnen dann, Ihr Kind besonders zu fördern. Wie geht das?

Der erste Schritt könnte das Hinzuziehen einer Expertin oder eines Experten der Sprachentwicklungsforschung sein – also der Angewandten Linguistik!

Wie lässt sich eine Sprachentwicklungsstörung diagnostizieren?

Um herauszufinden, ob bei Judith eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt, tastet sich ein Sprachtherapeut bzw. eine Sprachtherapeutin mithilfe verschiedener Fragen immer näher an Ursache und Auswirkungen der fehlerhaften Sprachproduktion heran. Zentraler Ankerpunkt der Diagnostik sind die sprachlichen Äußerungen des Kindes: Auf welcher Ebene bzw. welchen Ebenen des Sprachsystems hat es Schwierigkeiten? Welche Prozesse entsprechen der normalen Entwicklung, welche sind untypisch? Wie häufig treten die falschen Muster auf und wie sehr beeinträchtigen sie die Verständlichkeit der Äußerungen? Eine solche Diagnose kann natürlich nur auf der Grundlage sprachwissenschaftlichen Wissens erfolgen!

Bei der Sprachtherapie nach PLAN

Nach der Diagnose der konkret vorliegenden Sprachentwicklungsstörung kann die maßgeschneiderte Therapie beginnen. Sie begleiten Judith also zur Sprachtherapie. Dort begegnet Ihnen dann zum Beispiel dieses Kärtchen: 

Das Übungskärtchen stammt aus der Materialsammlung zur Sprachtherapie nach dem patholinguistischen Ansatz (PLAN) von Prof. Dr. Christina Kauschke und Julia Siegmüller. Die beiden sind als Angewandte Linguistinnen im Bereich „Diagnostizieren und Therapieren“ tätig. Auf der Grundlage sprachwissenschaftlichen Wissens haben sie die PLAN-Therapie als eine Art Sprachtherapie-Werkzeugkasten entwickelt. Die Materialsammlung erlaubt es nicht nur, kindliche Sprachentwicklungsstörungen zu erkennen, sondern auch, sie zu verstehen, ihnen vorzubeugen und sie zu behandeln. Ziel des PLAN(s) ist es, das fehlerhafte sprachliche System des Kindes neu zu strukturieren. Die Schwerpunkte der PLAN-Therapie lassen sich dabei ganz individuell setzen: Von Phonologie über Semantik und Syntax bis hin zu Morphologie widmet sich der Ansatz von Kauschke/Siegmüller dem gesamten Sprachsystem .

Mit dem PLAN kann also mehr als nur eine sprachliche Ebene gefördert werden! Das bedeutet auch, dass bei der Entwicklung viele verschiedene sprachwissenschaftliche Teilbereiche gefragt sind: Beispielsweise die Phonetik und Sprechwissenschaft oder die Schreibwissenschaft.

In der PLAN-Materialsammlung enthalten sind Hörgeschichten, Bilderbücher, Symbolkarten uvm.  Die Materialien erlauben eine individuelle Förderung der Kinder in den Bereichen, die ihnen Schwierigkeiten machen. Judith lernt beispielsweise anhand des Elefanten-Symbolkärtchens, Wörter mit Konsonant im Anlaut – wie Lara oder Ralf – von Wörtern ohne Konsonant im Anlaut – wie Ara oder Alf – zu unterscheiden. Erstere sind Elefanten mit Rüssel – letzteren fehlt der Rüssel. Sie sind unvollständig. Judith lernt so, genau hinzuhören, ihre Fehler zu bemerken und selbständig zu korrigieren.

Sprachtherapie – ein voller Erfolg!

Judith kann also durch linguistische Expertise und die damit verbundene therapeutische Praxis geholfen werden. Um sie bestmöglich zu unterstützen, greifen linguistische (Grundlagen-)Forschung, Diagnose und Therapie ineinander. Spannend, oder?

Die Autorinnen:

Franziska Schulte – studiert Gymnasiallehramt mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Sozialkunde und hat sich so irgendwie als Hiwi in die deutsche Sprachwissenschaft verirrt! Aber das ist nicht so schlimm!

Magdalena Belz – BA-Studentin und ebenfalls Hiwi in der deutschen Sprachwissenschaft. Beantwortet die Frage „Und was kann man mit einem Germanistikstudium beruflich machen?“ gern mit einem Verweis auf die Angewandte Linguistik!

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Die #galwue21 findet virtuell statt!

Die gute Nachricht ist: Die #galwue21 findet statt! Die schlechte Nachricht ist: Wir können sie leider nicht, wie erhofft, als Präsenztagung durchführen.

Im März hatten wir beschlossen, uns die Entscheidung über das Tagungsformat bis Mitte Juni offen zu halten. Wir wollten in kleinen Schritten vorgehen und die aktuelle Lage aufmerksam beobachten, um flexibel und kreativ reagieren zu können. In der trüben pandemischen Situation wollten wir weder Kraft noch Mut verlieren. Wir fanden und finden: Gerade in einer gesamtgesellschaftlichen Krise sind Perspektiven und Ziele wichtig – und eine gute Balance zwischen Verantwortungsbewusstsein, vorsichtigem Optimismus und Entscheidungskraft.

Jetzt ist es Mitte Juni. Präsenztagung? Virtuelle Tagung? Jetzt musste entschieden werden.

Wir alle haben uns sehr gewünscht, dass sich die Situation von März an rascher verbessern und normalisieren würde. Neben erfreulich sinkenden Inzidenzen sehen wir heute jedoch auch das langsamere Voranschreiten der Impfkampagne als erwartet. Eine „Erstimpfung für jede und jeden Impfwilligen bis Ende September” ist zu hoffen, aber bei einer aktuellen Impfquote von 43–53% auch noch in der Ferne. Und das ist nur die Situation in Deutschland.

Wir sehen auch unterschiedliches Tempo und unterschiedliche Bestimmungen und Anforderungen innerhalb der EU (und außerhalb sowieso). Wir nehmen wahr, dass die Reisebeschränkungen stetig gelockert werden, aber noch nicht ganz aufgehoben sind.

Bis über unseren Tagungstermin hinaus gilt auch (wenn nicht anders beschlossen) die „Epidemische Lage von nationaler Tragweite”. Damit einher gehen die bundeslandspezifischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnungen mit hohen Anforderungen an Hygiene- und Schutzkonzepte für Veranstaltungen unserer Größenordnung.

Nicht zuletzt sehen wir ein nach wie vor restriktives Verhalten der Universitäten und Institutionen hinsichtlich der Bewilligung von Dienstreiseanträgen, das viele von uns vor Probleme stellen kann.

Vor diesem Hintergrund haben wir in einer Sitzung mit Vorstand und Präsidium in dieser Woche einstimmig entschieden, dass die diesjährige GAL-Jahrestagung GAL-WÜ21 als virtuelle Tagung stattfinden muss.

Die Entscheidung fiel uns nicht leicht und wurde nur schweren Herzens gefällt. Wir hätten Sie nur zu gern in Würzburg begrüßt!

Für uns war aber in der Entscheidungsfindung der Respekt gegenüber denjenigen von uns handlungsbestimmend, die sich (und/oder ihr Lebensumfeld) zu Risikogruppen zählen müssen und auch Verantwortung für diejenigen von uns, die zum Teil erhebliche Schwierigkeiten mit weiten, auch grenzüberschreitenden Reisen hätten.

Wir wollen niemanden vom Tagungsgeschehen ausschließen. Und natürlich soll auch niemanden das ungute Gefühl beschleichen, Teil eines zwar optimistischen und nach vorne blickenden, aber eben aus heutiger Sicht nicht abschließend kalkulierbaren Experiments zu werden.

Deshalb haben wir beschlossen, die GAL-WÜ 21 in diesem Jahr virtuell stattfinden zu lassen. Und wir werden uns alle Mühe geben, die GAL-WÜ 21 zur besten virtuellen Tagung des Jahres werden zu lassen! Wir sind uns sicher, dass Sie alle dazu beitragen werden: Mit spannenden Vortragsthemen, regen Diskussionen und natürlich der positiven und optimistischen Grundstimmung, die die GAL so auszeichnet!

Wir haben bereits begonnen, unsere Webseite zu aktualisieren. Weitere Informationen folgen in den nächsten Tagen.

Hier finden Sie alle Informationen zum Ablauf der virtuellen Tagung.

Das Tagungsprogramm finden Sie (ab morgen, den 18. Juni) hier.

Von morgen an ist auch die Anmeldung zur Tagung möglich. Hier finden Sie alle nötigen Informationen, auch zu den angepassten Tagungsgebühren.

Ihr


-Organisationsteam

Die #galwue21 findet virtuell statt!

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Pandemiesituation haben wir in einer Sitzung mit Vorstand und Präsidium einstimmig entschieden, dass die diesjährige GAL-Jahrestagung GAL-WÜ 21 als virtuelle Tagung stattfinden muss.
Die Entscheidung fiel uns nicht leicht und wurde nur schweren Herzens gefällt.

Aber nun heißt es, nach vorne zu blicken und die Sache mutig zum Positiven zu wenden: Wir geben uns alle Mühe, die GAL-WÜ 21 zur besten virtuellen Tagung des Jahres werden zu lassen!

Weitere Informationen werden im Laufe der Woche auf der Webseite veröffentlicht.

Von Sprachentwicklungsstörung bis Aphasie

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Diagnostizieren und Therapieren

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! Dazu geben wir Antworten auf die Frage: Was machen Angewandte Linguistinnen und Linguisten eigentlich?

„Jeiter hos is“, sagt die kleine Judith zu ihrer Mutter.

„Ins Bett normal und dann sechs aufgewacht und fertig!“, berichtet der erwachsene Markus seinem Arzt.

Sprachbezogene Störungen können sowohl in der frühen Kindheit als auch im Erwachsenenalter auftreten. Für Angewandte Linguistinnen und Linguisten sind sie in zweierlei Hinsicht interessant: Einerseits können sie auf der Grundlage ihrer sprachwissenschaftlichen Expertise helfen, die sprachbezogenen Störungsbilder genauer zu erfassen – und das hilft dann auch bei der Entwicklung passgenauer Therapieansätze, die den Betroffenen helfen können.

Hierfür ist insbesondere die Teildisziplin der Klinischen Linguistik zuständig. Die Linguistik interessiert sich schon lange dafür, was im menschlichen Gehirn passiert, wenn wir sprechen, hören, lesen oder gebärden. Gerade von Fällen, in denen die Sprachproduktion oder Sprachrezeption nicht funktioniert wie erwartet, kann man viel über die Verbindung von Sprache und Gehirn lernen. Dazu forschen neben der Klinischen Linguistik u. a. auch die Psycho- und Neurolinguistik.

Was sind sprachbezogene Störungen?

Sowohl Judith als auch Markus sind Deutsch-Muttersprachler und haben mindestens durchschnittliche Intelligenz. Ihr sprachliches Verhalten entspricht aber nicht dem von gleichaltrigen Kindern oder Erwachsenen.

Bei Judith liegt eine Sprachentwicklungsstörung vor, die mehrere Ebenen der Sprachproduktion umfasst. Markus hingegen leidet unter einer Aphasie und produziert Sätze im sogenannten „Telegrammstil“. Aphasien sind erworbene Störungen der Sprache aufgrund von Erkrankungen des Gehirns. Bei Markus hat ein Schlaganfall die Aphasie ausgelöst. Damit ist er nicht allein: Rund ein Drittel aller Schlaganfallpatientinnen und -patienten hat in dessen Folge mit einer Aphasie zu kämpfen.

Sowohl bei Judith als auch bei Markus sind zahlreiche Lebensbereiche von der Diagnose „Sprachstörung“ betroffen. Unsere Sprache ist nämlich ein sehr sichtbarer Teil von uns und wir bemerken alle, seien es nun die Kindergarten-Freunde von Judith oder die Chefin von Markus, sofort, wenn jemand „nicht normal“ spricht, also von dem abweicht, woran wir gewöhnt sind.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten unterstützen bei der Diagnose!

Wie kann Angewandte Linguistik helfen? Angewandte Linguistinnen und Linguisten können auf der Basis ihres sprachwissenschaftlichen Wissens genau analysieren, inwiefern eine Aussage wie Jeiter hos is (‚Die Leiter ist hoch‘) von dem abweicht, was wir von einem Kind im Vorschulalter erwarten würden. Man kann beispielsweise feststellen, dass vor dem Nomen Leiter der Artikel fehlt, dass im Wort Leiter der Laut /l/ durch den Laut /j/ ersetzt wurde oder dass das konjugierte Verb ist ganz am Ende des Satzes steht – anstatt wie üblich an der zweiten Stelle.

Durch eine linguistische Beschreibung und Kategorisierung des produzierten Sprachmaterials wird den Expertinnen und Experten klar, in welchem sprachlichen Bereich bzw. welchen Bereichen Beeinträchtigungen vorliegen: Phonetik, Morphologie, Syntax, … Auf dieser Grundlage können sie gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal einen Therapievorschlag für die Betroffenen entwickeln.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten entwickeln Therapien mit!

Das Therapieverfahren hängt dabei natürlich vom genauen Charakter der Sprachstörung ab. Mit Judith können beispielsweise im Spiel die sprachlichen Strukturen geübt und gefestigt werden. Markus kann von seinem Sprachtherapeuten oder seiner Sprachtherapeutin aufgefordert werden, in einem Gespräch von einem Ereignis in der Vergangenheit zu berichten, damit er so viele Verben wie möglich verwendet und die Verwendung so neu einübt und trainiert.

Die Durchführung der Therapie obliegt dann darin geschulten medizinisch-therapeutischen Berufsgruppen wie z. B. Logopädinnen und Logopäden und Sprachtherapeutinnen und -therapeuten.

Angewandte Linguistik in der Medizin

Hinter der Diagnose und Therapie von sprachbezogenen medizinischen Problemen steckt also (auch) die Expertise von angewandten Linguistinnen und Linguisten! Auch wenn man das im ersten Moment nicht vermuten würde: Angewandten Linguistinnen und Linguisten trifft man u.a. in Kindergärten, Schulen, Fachkliniken, Rehazentren und Krankenhäusern.

Neugierig geworden? Hier finden Sie weitere Informationen zu Sprachentwicklungsstörungen und zur Aphasie.

Die Autorin:
Viktorija Blazheska – Studentin des Masterstudiengangs „Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft“ an der Uni Würzburg, die sich insbesondere für Sprachwandel und wissenschaftliche Kommunikation interessiert.

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Wie Fehler zeigen, was man schon kann! 👍

Ein Projekt aus dem Tätigkeitsfeld Lehren

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! In der letzten Woche haben wir Ihnen das Tätigkeitsfeld „Lehren“ vorgestellt. Heute zeigen wir Ihnen ein angewandt-linguistisches Projekt aus diesem Tätigkeitsfeld. Viel Spaß!

„Übernachtüng“, „bereitigen“… was das wohl eigentlich heißen sollte? Auch die Satzstruktur wirkt an manchen Stellen ungeordnet. Wären Sie die Deutschlehrerin oder der Deutschlehrer dieses Kindes, würden Sie nun sicherlich den Rotstift zücken.

Der Schüler, aus dessen Feder diese Einleitung einer Kurzgeschichte stammt, ist ein DaZ-Schüler, also ein Deutsch-als-Zweitsprache (=DaZ) -Lerner. Seine Muttersprache ist Arabisch.

Das Problem: Wie kann man die Deutschkompetenz nicht-muttersprachlicher Schülerinnen und Schüler angemessen fördern?

Hierbei handelt es sich nicht um einen Einzelfall, sondern ein Real World Problem, das sich im (Sprach-)Unterrichtsalltag ständig stellt. Muttersprachlichen Lehrkräften fällt es oft schwer, sich in die Situation eines DaZ-Kindes einzudenken, da sie die deutsche Sprache von Geburt an kennen und somit intuitiv beherrschen. Genau hier kommt die Angewandte Linguistik ins Spiel. Angewandte Linguistinnen und Linguisten können helfen, die Sprachlerner-Situation besser zu erfassen. Anhand von Schülertexten wie diesem hier können sie individuelle, aber auch allgemeine sprachlichen Herausforderungen und Probleme aufzeigen und passgenaue Fördermaßnahmen entwickeln.

Solche Fördermaßnahmen und -materialien sind zum Beispiel im Projekt Deutsch & PC entstanden.

Der Forschungsprozess: Wo genau liegen die Probleme?

Um ein angemessenes Förderprogramm zu entwickeln, muss zunächst herausgearbeitet werden, wo konkret die sprachlichen Schwächen der Deutschlernenden liegen.

Dafür hat einer der wissenschaftlichen Begleiter des Projektes, der Sprachwissenschaftler Herr Prof. Grießhaber, ein Instrument entwickelt, das auf eben jene Fragen linguistisch fundierte Antworten liefern kann: die Profilanalyse.

Doch wie genau funktioniert das?

In der deutschen Sprache werden Sätze nach bestimmten Mustern gebildet. Das Verb beispielsweise steht nicht an beliebiger Stelle, sondern an einer bestimmten Position im Satz – je nachdem, um welche Satzart es sich handelt, kann es in Erst-, Zweit- oder Letztstellung stehen. Linguistische Studien zum Spracherwerb konnten zeigen, dass Satzmuster in einer bestimmten Reihenfolge erworben werden, wobei das Wissen um die Stellung des Verbes in der gesamten Erwerbsphase zentral ist.

Anders herum gedacht: Wenn man sich den Satzbau in Texten eines Deutschlernenden ansieht – und insbesondere die Stellung des Verbes betrachtet – kann man daraus Rückschlüsse über den Fortschritt im Sprachlernprozess ziehen. Es lassen sich fünf Erwerbsstufen definieren:

Aus: Hessisches Kultusministerium: Deutsch & PC. Früher und intensiver Erwerb der deutschen Sprache für Zuwandererkinder in der Grundschule. Online abrufbar unter: https://grundschule.bildung.hessen.de/dupc/Deutsch_und_PC.pdf

Die Lösung: Ermittlung der Spracherwerbsstufe und Auswahl der Fördermaßnahmen

Die Profilanalyse ermöglicht die Ermittlung der Erwerbsstufe, der ein Text zuzuordnen ist. Dazu werden schriftliche und mündliche Äußerungen der Kinder in die kleinsten, satzwertigen Aussagen zerteilt. Für diese wird dann ihre sog. Profilstufe ermittelt. Am Ende erhält man, nach der Analyse der Häufigkeit bestimmter Profilstufen, ein grammatisches Profil des Textes.

Wichtig: Orthographiefehler werden dabei genauso wenig mit in die Analyse einbezogen, wie solche im Bereich von Genus, Kasus und Numerus. Gerade in der Anfangsphase des Sprachlernprozesses kann die Angewandte Linguistik so hinter der scheinbar fehlerhaften Oberfläche wichtige Erwerbsschritte sichtbar machen. Darauf basierend können dann passende Fördermaßnahmen ausgewählt werden.

Angewandte Linguistik und der Forschungsbereich Deutsch als Zweitsprache

Obwohl das Projekt inzwischen beinahe 20 Jahre alt ist, hat es seine Relevanz nicht eingebüßt. Ganz im Gegenteil! „Deutsch&PC“ kommt nicht nur weiterhin an über 50 hessischen Grundschulen zum Einsatz; die begleitenden Studien und die daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind auch Teil eines Prozesses, in dem verstärkt universitäre Strukturen zum Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ aufgebaut werden. So auch an der Uni Würzburg, wo DaZ seit 2016 als Zusatzstudium zum Lehramtsstudium studiert werden kann!

Und: Auch in der GAL geht es an verschiedenen Stellen um den (Fremd-)Spracherwerb – zum Beispiel in der Sektion Migrationslinguistik und im GAL-Forschungsfokus Geflüchtete.

Die Autorin:
Alisa Capellaro – Lehramtsstudentin mit dem Hauptfach Deutsch an der Uni Würzburg – neben der Uni auch im DaZ-Bereich aktiv.

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Lernen von und mit den Profis! 😎

Angewandte Linguistik und das Tätigkeitsfeld Lehren

In unserem #galwue21-Blogprojekt zeigen wir Ihnen die bunte Vielfalt der Angewandten Linguistik! Dazu geben wir Antworten auf die Frage: Was machen Angewandte Linguistinnen und Linguisten eigentlich?

Angewandte Linguistinnen und Linguisten lehren!

Das bedeutet, dass sie Schülerinnen und Schülern Fremdsprachen beibringen, die sprachlichen Kompetenzen fördern und Wissen über Sprache vermitteln. Gleichzeitig setzen Angewandte Linguistinnen und Linguisten sich das Ziel, das Lehren von Sprache als Prozess besser zu verstehen und zu verbessern. Sie unterrichten also in diesem Fall nicht selbst, sondern helfen anderen, ihren Unterricht noch besser zu gestalten. Denken Sie an Ihre Schulbücher – an der Entwicklung dieser Lehrwerke haben auch Angewandte Linguistinnen und Linguisten mitgewirkt!

Angewandte Linguistinnen und Linguisten fragen: Welches sprachliche Wissen soll wem vermittelt werden?

Angewandte Linguistik bietet das nötige sprachwissenschaftliche Hintergrundwissen zur passgenauen Auswahl von (Sprach-)Unterrichtsinhalten. Ziel ist natürlich der größtmögliche Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler, denn:

„Eine flexible und sichere Sprachkompetenz ist von entscheidender Bedeutung für die individuelle Identitätsbildung sowie für die Teilhabe an Gesellschaft und Kultur.“

Bildungsserver Berlin-Brandenburg über die Rolle der Sprachkompetenz

Was genau soll gelehrt werden? Dazu greifen Angewandte Linguistinnen und Linguisten auf Ergebnisse aus allen sprachwissenschaftlichen Forschungsbereichen zurück – zum Beispiel auf Untersuchungen zur Interkulturellen Kommunikation, zur Fachkommunikation oder zur Medienkommunikation. Wenn man weiß, wie Sprache und Kommunikation in bestimmten Situationen funktionieren und welche Probleme auftreten können, kann man schließlich auch anderen beibringen, in diesen Situationen souverän sprachlich zu handeln und Stolperfallen aus dem Weg zu gehen!

Angewandte Linguistinnen und Linguisten fragen auch: Wie kann das sprachliche Wissen vermittelt werden?

Kann man aus dem Stehgreif anfangen zu lehren? Nein, natürlich nicht. Um Sprache(n) und Wissen über Sprache richtig vermitteln zu können, sind nicht nur die linguistischen Kenntnisse der Lehrperson wichtig, sondern auch ihre didaktisch-methodischen Kompetenzen.

Angewandte Linguistinnen und Linguisten forschen zum gesamten System des Spracherwerbs vom Kindes- bis zum Erwachsenalter. Denn das Wissen darüber, wie Erst- und Zweitspracherwerb und der Erwerb von Kommunikationskompetenzen vonstattengehen, erlaubt eine gezielte und effektive Förderung dieser Erwerbsprozesse!

Angewandte Linguistinnen und Linguisten forschen auch zum konkreten Vorgehen der Lehrkraft im Unterricht: Welche Lernkontexte gibt es, wie kann man diese optimal gestalten? Welche Methoden und Lernkonzepte gibt es und wie können sie eingesetzt werden? Wie können Lehrbücher und Lernmaterialien gestaltet werden?

Übrigens: In der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) e. V. gibt es gleich zwei Sektionen, die sich schwerpunktmäßig mit didaktischen Fragen beschäftigen: Die Sprachdidaktik und die Mediendidaktik und Medienkompetenz!

Mehr zur GAL e. V. können Sie hier nachlesen!

Das Tätigkeitsfeld Lehren in der Angewandten Linguistik

In unserer multikulturellen, sich schnell entwickelnden Welt ist das Sprachenlernen von großer Bedeutung. Wir sind alle soziale Wesen, die sich durch Sprache und Kommunikation miteinander vernetzen! Es ist daher wichtig, Prozesse des Spracherwerbs und des Erlernens von kommunikativen Fähigkeiten zu untersuchen und zu fördern. Das finden auch Angewandte Linguistinnen und Linguisten: Sie lehren daher selbst, in Schulen, Universitäten und zahlreichen anderen Lernkontexten, und gleichzeitig forschen sie mit dem Ziel, Sprachlern- und Sprachlehrprozesse zu verbessern.

Die Autorin:
Yuliia Orlova – Germanistik-Studentin aus der Ukraine, die momentan mit dem Problem „Oh, wie heißt es auf Ukrainisch noch mal? Mir fällt nur das deutsche Wort ein!“ während ihres Masterstudiums an der Uni Würzburg kämpft.

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